14.08.18 11:07

Smart City Düsseldorf

Ist Düsseldorf eine „smarte“ Stadt?

Studierende der Informationswissenschaft sehen Nachholbedarf

Typische Städte der aufkommenden Wissensgesellschaft werden oftmals als „smart“ bezeichnet. Hierbei bedeutet „smart“, dass die Städte Dienste und Systeme der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) einsetzen, um nachhaltig „grüner“ zu werden und die Lebensqualität ihrer Bürger sowie ihre Attraktivität gegenüber Wettbewerbern zu steigern. Der smarte Aspekt ist allerdings nur ein Teilbereich einer Stadt der Wissensgesellschaft; hinzu treten die „ubiquitäre“ Stadt (IKT ist im gesamten Stadtgebiet auch als „Internet der Dinge“ eingesetzt), die „Wissensstadt“ (in der Wissen sowohl produziert als auch angewandt wird) sowie die „kreative Stadt“ (das Vorhandensein von Kreativen, also Wissenschaftlern und Künstlern, die mit ihren Ideen die Entwicklung der Stadt weitertreiben). Die Stadtpolitik plant gezielt ihren Weg in die Wissensgesellschaft (E-Governance) und setzt digitale Medien bei Verwaltungsarbeiten ein (E-Government). Um überhaupt Bürgerbeteiligung zu erreichen, werden alle nicht-personenbezogenen Daten, die in der Stadt vorhanden sind, offen und frei zugänglich vorgehalten („Open Data“). Stadtbezogene Apps (teilweise unter Nutzung der offenen Daten) sind selbstverständlich. Der Branchen- und Unternehmensmix hat sich den Anforderungen der Wissensgesellschaft und der wissensbasierten Wirtschaft angepasst. Im digitalen Zeitalter sind zwei Räume wichtig: nach wie vor der physische Raum (mit kurzen Wegen innerhalb der Stadt und Verbindungen zu wichtigen globalen Metropolen) sowie zunehmend der digitale Raum mit seinen Informationsströmen, die auch Machtströme darstellen. Bei den Standortfaktoren gewinnen die weichen Faktoren mehr und mehr an Bedeutung, die über den Magneteffekt bewirken, dass kreative Eliten und Unternehmen der Wissenswirtschaft die Stadt als Lebens-, Arbeits- und Firmenmittelpunkt wählen. Das Wichtigste einer Stadt sind ihre Bürger. Die Stadt sorgt dafür, dass alle Bürger optimal mit Information, Wissen und IKT umgehen können, d.h. dass diese informationskompetent sind – was auch ein Umdenken bei der schulischen Bildung bedeutet.

Die Düsseldorfer Informationswissenschaft befasst sich seit etwa 2010 mit dem Forschungsprojekt „Informationelle Urbanistik“, das Informationswissenschaft (die sich traditionell mit Information, Wissen und IKT befasst) mit Stadt- und Raumplanung verbindet. Ein naheliegendes Forschungsobjekt sind die Städte der Wissensgesellschaft, da hier die beiden grundlegenden Wissenschaftsdisziplinen – Informationswissenschaft und Urbanistik – zwangsläufig miteinander verschmelzen.

Die theoretischen Grundlagen der informationellen Urbanistik und erste empirische Resultate aus Städten rund um den Globus sind in den beiden Artikeln „Informationswissenschaft in der Urbanistik“ beschrieben.

Julia Barth et al.: Informationswissenschaft in der Urbanistik. Teil 1: Konzeptioneller Forschungsrahmen und Methoden. undefinedZum Artikel.

Julia Barth et al.: Informationswissenschaft in der Urbanistik. Teil 2: Erste empirische Ergebnisse zu smarten Städten. undefinedZum Artikel.

Wo steht die Stadt Düsseldorf auf dem Weg in die Wissensgesellschaft? Während die beiden grundsätzlichen Artikel von Wissenschaftlern der Düsseldorfer Abteilung für Informationswissenschaft geschrieben worden sind, sind alle folgenden Forschungsprojekte von Studierenden durchgeführt worden. Aus den vielfältigen Forschungsmöglichkeiten zu „informationellen Städten“ sind hier Studien ausgewählt, die E-Governance, E-Government, stadtbezogene Apps, Düsseldorfs Identität sowie die physischen Räume thematisieren.

Wie ist es der politische Wille ausgeprägt, aus Düsseldorf eine wettbewerbsstarke Stadt der Wissensgesellschaft zu machen? Fabian Schnitzler interviewte sowohl eine Vertreterin der Stadt Düsseldorf (Cornelia Zuschke) als auch einen Vertreter der Bundespolitik (Thomas Jarzombek).

Fabian Schnitzler: E-Governance in Düsseldorf. undefinedZum Artikel.

Das E-Government einer Stadt ist ein äußerst sichtbarer Bereich der Digitalisierung einer Stadtverwaltung. Haeran Jeong beschreibt den Entwicklungsstatus des Düsseldorfer E-Government und identifiziert dabei Entwicklungslücken.

Haeran Jeong: E-Government in Düsseldorf. undefinedZum Artikel.

City-Apps helfen Bürgern wie Besuchern, sich in einer Stadt zurechtzufinden, am Entwicklungsweg der Stadt mitzuarbeiten (etwa über Mängelmeldungen) und sich in der Stadt wohlzufühlen. Wie gut sind die Apps „Stadtwerkzeug“ und „Düsseldorf To Go“? Norina Krapohl setzt informationswissenschaftliche Evaluationswerkzeuge ein und vergleicht die Ergebnisse der Düsseldorfer Apps mit denen aus Wien.

Norina Krapohl: Stadt Apps als weicher Standortfaktor der „Smart City“ Düsseldorf. undefinedZum Artikel.

Es gibt durchaus typische Stadt-Räume für unterschiedliche Wirtschaftssektoren. Man denke nur an typische Industriestädte (wie Manchester im 19. Jahrhundert) oder Dienstleistungsstädte (wie New Yorks Manhattan Ende des letzten Jahrhunderts). Der Medienhafen ist ein erster Raum der wissensbasierten Wirtschaft in Düsseldorf. Nach Marina Golovkina kann hierbei ein großes Problem auftreten: Durch neue Räume verliert eine Stadt ihre bisherige Identität. Ist Düsseldorfs Identität als Stadt in der Tat durch den Medienhafen beeinträchtigt worden?

Marina Golovkina: Düsseldorf’s Identity and Its Medienhafen. undefinedZum Artikel.

In einer globalen Wissensgesellschaft bestimmt sich eine Stadt auch daran, wie gut sie international vernetzt ist, etwa wie viele Weltstädte direkt erreichbar sind. Innerhalb einer Stadt kommt es vor allem auf „Walkability“, „Cyclability“ und den öffentlichen Nahverkehr an. Florian Dörr hat sowohl die internationalen als auch die lokalen Personenströme in Düsseldorf untersucht.

Florian Dörr: Düsseldorfs „Space of Place“. undefinedZum Artikel.

Eine Detailuntersuchung von Lars Oliver Giese analysiert den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Düsseldorf und zeigt Entwicklungsoptionen an.

Lars Oliver Giese: Düsseldorfs öffentlicher Personennahverkehr. undefinedZum Artikel.

Neben dem digitalen Raum (durch E-Government, Open Data, Bürgerbeteiligung) wird sich auch der physische Raum beim Weg in die Wissensgesellschaft ändern: Fußgänger- und Fahrradverkehr, öffentliche Verkehrsmittel, völlig neue Transportmittel (wie etwa Personal Rapid Transit) gewinnen massiv an Bedeutung; individueller Autoverkehr (insbesondere mit Verbrennungsmotoren) gehört der Vergangenheit an.

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